Mittwoch morgen machten wir uns für drei Tage auf den Weg ins Landesinnere. Schon die Fahrt nach Muyinga war abenteuerlich, denn auf dem Weg dorthin hatten wir erstmal mehrere kleine Autopannen, da der Kühler (und wohl auch der Motor, wie wir später in der Werkstatt erfuhren) von Schlamm so verdreckt waren, dass das Auto nicht mehr richtig gekühlt wurde. Dies hatte bei den hügligen Strecken, die wir zurücklegen mussten die Folge, dass Qualm aus unserer Motorhaube aufstieg und sich der Kühlbehälter (wenn er nach einiger Zeit soweit abgekühlt war, dass man ihn anfassen konnte) mit einer vulkanartigen Explosion entlud. Der Fahrer hat dann jedes Mal neues Wasser bei den Leuten in den vereinzelt herumstehenden Häusern erfragt, dass sie uns auch (gegen etwas Geld als kleine Geste, wie es hier anscheinend üblich ist…)brachten. Er hat es dann reingefüllt und so kamen wir einigermaßen gut voran, als die Berge aufhörten war es gar kein Problem mehr.

Bevor wir nach Muyinga fuhren, machten wir einen kleinen Abstecher nach Ngozi, zu den Landwirtschaftsprojekten. Dort haben wir Kleidung und kleine Bäumchen an die Auszubildenden dort, sowie Decken an die Pygmäen verteilt. Die Pygmäen sind hier die unterste Klasse der Bevölkerung, ungefähr so, wie die „Untouchables“ in Indien. Sie hatten die Aufgabe einen Acker, der mit allerlei Dingen bewachsen war, umzugraben. Wirkliche Schwerstarbeit, für 800FB am Tag (ca. 80 Cent ). Die haben sich so über die Decken gefreut, dass sie plötzlich, inspiriert durch einen der damit anfing, alle begannen auf traditionelle Art und Weise zu singen und zu tanzen. Es klang toll und war irgendwie generell ein toller Moment und somit ein schönes Geschenk, das sie uns zurück gaben. In Muyinga angekommen sind wir zuerst ins Kinderheim dort gefahren. Es hat dadurch, dass dort nur ca 30 Kinder leben und sie das Wohnzimmer so gemütlich eingerichtet haben, eine richtig familiäre Atmosphäre. Nadine und ich haben dort dann auch übernachtet und wurden m nächsten morgen mit einem leckeren Stück weichem Bot, einer Avocado und warmer Milch mit irgendetwas undefinierbarem drin bewirtet. Wir haben uns richtig wohl gefühlt und morgens noch etwas mit den Kindern gemalt und gespielt. Dort habe ich auch zum ersten mal richtig gefroren hier in Burundi, obwohl ich 3 schalen mittelwarme Kleidung anhatte. Da konnte ich das erste mal seit langem ansatzweise nachvollziehen, wie ihr euch in Deutschland wohl fühlen mögt ;).Der Temperaturunterschied war jedenfalls beeindruckend, obwohl es ja auch in Buja in letzter Zeit ständig regnet. Regenzeit eben. Zuerst haben wir dann die Pygmäen in Muyinga besucht. Sie leben in ihren runden Strohbauten, wovon wir in eins sogar mal reingehen durften. Dort gibt es ein notdürftiges Lager für die Frau und den Mann, die Kinder müssen auf dem Boden schlafen- und das in der Kälte. Das war sowieso schlimm zu sehen dass dort viele Kinder in ganz dünnen, zerissenen Klamotten rumgerannt sind und vor Kälte gezittert haben. Wir haben unsere drei Jacken zur Auswahl und frieren immer noch und kommen dort an in unserem dicken Auto, jeder mit einer Digitalkamera bewaffnet und lehnen immer ab, wenn sie etwas erbetteln wollen. Komisches Gefühl. Auch dort haben 3 Kinde total süß angefangen zu tanzen und die hatten dort so coole, selbstgebaute Musikinstrumente mit Eisenstäben odersowas, die sich voll schön angehört haben.

 Nunja, dann haben wir noch weitere Landschaftsprojekte besucht und auch die Ernährungsstation, di im Moment zwar aus Geldmangel leider geschlossen ist, bald aber hoffentlich wieder geöffnet werden soll und auf der ich auch gerne einige Wochen (Monate?) arbeiten würde. War ganz interessant, diese endlich mal zu sehen und sich vorzustellen, wie es hier wohl aussieht, wenn ganz normaler Betrieb herrscht. Es hat auf mich aber alles einen guten Eindruck gemacht, und die Weiterentwicklungen des letzten Jahres waren deutlich zu erkennen. Ich bin mal gespannt was sich da so ergeben wird. Vor der Station saß auch eine Frau, die sehr krank war. Sie hatte sehr stark angeschwollene Beine, die an einer Stelle schon aufgeplatzt waren und das vereiterte Fleisch darunter zeigten. Wenn man nichts dagegen tut, wird es immer weiter aufplatzen und die Frau wird sterben. Verena meinte, dass das hier auf dem Land häufig so geht, weil die Leute nicht die Möglichkeit haben zum Krankenhaus zu gelangen, geschweige denn es dann zu bezahlen. Sie hat dann der Frau, die im Übrigen auch noch ein 2 Wochen altes Baby hat, das sie nicht versorgen kann, Geld gegeben um ins Krankenhaus zu fahren und sich was zu Essen zu kaufen. Dann mussten wir schon wieder los. Ein komisches Gefühl irgendwie, einfach wegzufahren. Einfach weiterzumachen im Tagesablauf und gar nicht mehr viel darüber nachzudenken… Beim Abschied war sie so schwach und hat so gezittert, dass sie uns noch nicht mal die Hand geben konnte.

 Dann wollt sich Verena noch mit Jemand treffen, in Cankuzo (?), wie wir dachten- dort sind wir dann hingefahren, über die schlechten Straßen, die wir ab Muyinga nur noch vorfanden. Eigentlich waren es immer nur Wege mit riesen Schlaglöchern. Die Schlaglöcher waren durch den Regen mit Wasser gefüllt, sodass jedes Mal eine rote Schlamfontäne aufspritze (Die Erde ist ja rot), wenn wi durch eins fahren mussten. Ausserdem sind die „Straßen“ total kurvenreich und manchmal findet sich plötzlich ein Stück Fels darin…

In Cankuzo angekommen fühlten wir uns, wie in „Lost-City“. Da wirkte alles wie in einer ausgestorbenen Westernstadt und es herrschte ein ganz komische Atmosphäre. Es hat nur noch das im Wind quietschende Metallschild gefehlt. Der Mann war dann auch nicht da, sondern doch wo anders sodass wir beschlossen weiterzufahren und ihn dann m nächsten Tag zu treffen. Alles in allem ist es echt ein Himmelweiter Unterschied, wenn man Bujumbura und das Landleben vergleicht. Bujumbura hat so gut wie alles, aber sobald man etwas mehr raus fährt ist man wieder total in der Pampa und die Leute haben nichts, keine Bildung, keinen technischen Fortschritt(damit meine ich jetzt Strom oder fliessend Wasser ect., nicht Computer o.Ä.) oder genug zu essen. Man fühlt sich manchmal wirklich ins Mittelalter zurückversetzt. Ich stimme den Leuten zu, die sagen, dass wenn man nur in Bujumbura lebt, man nicht wirklich in Burundi lebt, zu. Dort sind die Leute wirklich vom Rest isoliert…

 Auch die Landschaft ist total toll und wechselhaft. Manchmal fühlt man sich wie im Süden Europas oder der Karibik mit den vielen Palmen und Bananenstauden, dann wieder wie in Frankreich oder Deutschland, mit Hügellandschaften und Laubbäumen. Dann wieder wie in Irland; weite Graslandschaften mit Felsbrocken oder wie im ursprünglichen „Urwald, mit vielen Bäumen, Kakteen, Papyrospflanzen ect. Ausserdem wunderschöne Panoramaausblicke über weite Hügelformationen. Wir haben auch wilde Affen gesehen, sogar ziemlich große, al wir durch den Nationalpark Burundis gefahren sind. Auch ein Cameleon im vorbeifahren auf der Straße.