In den letzten Wochen ist so viel passiert, dass ich erst jetzt die Zeit finde darüber zu berichten. Wir haben Weihnachten, meinen Geburtstag, den Besuch meiner Mutter und Silvester gut hinter uns gebracht und sind somit freudig und erwartungsvoll in ein neues Jahr gestartet… was es wohl bringen mag?
Weihnachten mit so vielen Kindern zu feiern war eine stressige, aber gleichzeitig auch sehr schöne Angelegenheit. Die Weihnachtsfeier war auch in jedem Heim anders. Dank ihrer Spenden konnten wir jedem Kind hier eine schöne Weihnachtsfeier ermöglichen. Wofür wir das Geld genau verwendet haben, können Sie auf dem Dankesflyer nachlesen, den Ruth und ich entworfen haben und den ich demnächst auch online stellen werde. Mit den Kindern aus unserem Heim haben wir gewichtelt. Das haben wir so organisiert, dass jedes Kind einen Zettel mit dem Namen eines anderen Kindes aus dem Heim ziehen musste, für das es ein Geschenk aussuchen sollte. „ein Geschenk aussuchen“ heißt in diesem Fall, dass wir bei Verena im Keller einen großen Tisch aufgestellt haben, auf dem wir Kleidungsstücke aller Größen ausgebreitet haben. Die Kinder durften dann jeweils 2 Kleidungsstücke, einen Stift, ein Kuscheltier und ein Haarshapoo, eine Creme oder Ähnliches für denjenigen, den sie gezogen hatten, aussuchen. Wir haben dann jeweils noch einen Slip und eine Ritter Sport Schokolade aus Deutschland mit dazu getan und das Päckchen zusammen geschnürt. Ausserdem sollte jedes Kind ein Bild oder einen Brief für die entsprechende Person malen, sodass die Aktion noch in bisschen persönlicher wurde. Die Feier war dann auch wirklich sehr schön: wir haben die Terasse mit Laternen, Servietten, und kleinen glitzernden Sternchen dekoriert und an die Wäscheleinen dort auch Strohsterne gehangen. Dann haben wir erst gemütlich alle zusammen gegessen: Reis mit Sombée, Bohnen, Fleisch und natürlich Fanta. Danach haben wir die Kisten mit den geschnürten Paketen geholt und die Kinder einzelnd nach vorne gerufen, die ihr Geschenk zusammen mit dem Bild dann demjenigen übergeben haben, den sie gezogen hatten. Das war eine echt tolle Sache, da sich die Kinder, die ja auch eine große Familie sind, mal gegenseitig etwas schenken konnten. Je nachdem, wie gut die Kinder ihren den Namen, den sie gezogne hatten, geheim gehalten hatten, war auch die Überraschung bei der Übergabe größer du das Geschrei und Gejubel umso lauter. Es war echt schön zu sehen, wie viel Spaß die Kinder hatten. Auch im Nachhinein hat sich fast niemand bei uns beschwert, dass sie irgendwelche hässlichen oder nicht passenden Klamotten bekommen hätte: sie haben alle gut ausgesucht und kennen sich gegenseitig wahrscheinlich auch am besten. Auch haben wir noch die Kekse verteilt, die wir im Voraus zusammen mit den Kindern in mehreren Fuhren bei uns in der Küche gebacken hatten. Die sind auch echt gut geworden, dafür dass unser Ofen eine leichte Macke hat, und wurden glücklich gegessen. Danach haben die Mädels noch für uns getanzt. Die haben es hier auch echt drauf (mittlerweile haben wir ja ein bisschen den Vergleich) sie haben viel mehr Pepp als die meisten anderen. Der Abend ist dann mit Benoits großer Stereoanlage, burundischen Hits und tanzenden Kindern ausgeklungen…
Silvester gab es eine große Party im Chez André. Wir haben auch alles schön dekoriert und ein DJ hat tanzbare Musik aufgelegt. Bleigiessen haben wir auch gemacht, da meine Mama ja zu Besuch da war und das extra für uns mitgebracht hat. Ist ja auch echt lustig, was zum Teil als Erklärung der aus Blei gegossenen Kreationen angegeben wird. Bei aussagen wie „Sie werden gemolken“ oder ähnlichem fragt man sich doch, wie genau man das zu verstehen hat… Die ersten Gäste kamen erst um kurz vor 12, dann aber reichlich und wir sind bei ca 25 Grad unter Palmen und mit Champagner ins neue Jahr gestartet. Die restlichen Tage habe ich damit verbracht meiner Mutter Burundi, und was wir hier so machen, zu zeigen und ein bisschen näher zu bringen. Sie findet es auch toll und total anders als Deutschland und das leben dort (ich muss zugeben, dass ich die Unterschiede oft gar nicht mehr so wahrnehme) und sagt, dass sie jetzt alles was ich ihr erzähle oder schreibe viel besser nachvollziehen und sich vorstellen kann. Das stimmt auch wirklich: man kann die Welt hier gar nicht wirklich beschreiben, man muss sie gesehen haben. Wir haben mit meiner Mama auch eine Ladfahrt gemacht, während der wir noch mal Ngozi und Muyinga besucht haben. Dabei haben wir auch die Ernährungsstation noch mal besichtigt und eine kleine Bestandsaufnahme davon gemacht, was noch alles da ist. Wie es aussieht können wir den Betrieb auf der Ernährungsstation wirklich Ende Januar dank Ihrer Spenden wieder neu aufnehme. Ich werde dann auch dort arbeiten und wohnen und werde hoffentlich in der Lage sein, dass alles gut regeln zu können, neu Projekte initiieren zu können und vielleicht auch medizinisch (im Hinblick af mein Studium) schon was dazu lernen zu können. Es wird bestimmt nicht leicht, da ich die Sprache der Menschen dort nicht spreche und mit sehr viel Armut konfrontiert werde, aber eigentlich ist es genau das, was ich immer wollte.
Dann haben wir leider auch och einige traurige Neuigkeiten zu vermelden: Eine Mutter aus dem Mutter-Kind-Heim ist an AIDS gestorben. Die Medikamente hatten bei ihr nicht angeschlagen und sie war auch vorher schon lange Zeit im Krankenhaus- trotzdem kam ihr Tod überraschen. Zurück bleibt der kleine Kenny, ihr 2 jähriger Sohn. Er konnte ihren Tod nicht wirklich begreifen oder fassen und hat wahrscheinlich nur die Bestürzung und Traurigkeit der Menschen um ihn herum gespürt. Als er seine Mutter noch in letztes Mal gesehen hat, dort in der Kühlkammer des Krankenhauses, ihr ein kleines Kreuz auf die Stirn malte und leise „bye“ sagte, wusste er wahrscheinlich nicht, dass das das letzte Mal war, dass er sie sieht. Was jetzt wohl aus ihm werden wird?
Ausserdem wurde bei zwei Jungs bei uns aus dem Heim auch ein Aidstest gemacht: positiv. Die in Afrika so häufig vorkommende Krankheit wird mir immer bewusster. AIDS. Nicht mehr nur noch 4 Buchstaben, sondern allgegenwärtig.
p.s. wer eine kleine Impression von unserem Weihnachtsfest bekommen möchte, sollt sich die Diashow auf www.burundikids.org ansehen!
Januar 20, 2008 at 1:04
liebe Kerstin, den Flyer habt ihr toll geschrieben, was soll mit ihm geschehen, soll ich den an die Mailadressen einiger Spender schicken? und vielleicht den mir bekannten Erkelenzern weitergeben? Alles Gute, achtet auf euch, Barbara
Januar 24, 2008 at 12:28
huhu
ja, es wäre toll, wenn du dich mit meiner mutter absprechen könntest und ihr ihn einfach allen leuten, die etwas gespendet haben zukommen lasst!
Danke schonmal für die ganze arbeit, ihr seid super!!!
Liebe grüße aus dem warmen, verregneten Burundi
kerstin