So, nun bin ich schon seit dreieinhalb Wochen in Muramba, einem kleinen Doerfchen im Norden Burundis. Der Unterschied ist auch nicht zu uebersehen: waehrend in Bujumbura der Fortschritt offensichtlich ist, fuehlt man sich hier machmal ins mittelalter zurueckversetzt. Ich Arbeite jetzt auf der schon angekuendigten Ernaehrungsstation, zusammen mit einer Krankenschwester aus Deutschland, Monique. Wir haben im Moment 7 unserer Betten belegt mit Kwashiokor oder schlicht unterernaehrten Kinder und ihren Muettern, oder, falls diese schon gestorben sind, ihren etwas aelteren Bruedern, die sich um ihre kleinen geschwister kuemmern muessen….Jeden Tqg werden die Kinder gewogen und es wird geguckt ob die, haeufif durch ihre geschwaechten Koerper und dem Dreck in dem sie leben verursachten Krankheiten besser geworden sind. Dennoch ist der Andrang im Moment noch nicht so gross wie im Jahr vorher, was daran liegen koennte, dass im Moment die Zeit zum Anpflanzen der Bohnen und des Hauptgemueses Lenga-Lenga ist und somit die Frauen keine Zeit haben zu kommen. Ausserdem muessen wir uns klar von einer Krankenstation abgrenzen, wir sind fuer die Ernaehrung zustaendig und nicht dafuer da kostenlose Medikamente an die ganze Welt zu verteilen. Alles gewinnt langsam seine Form und ich hoffe, dass die Aufgabenbereiche und Strukturen noch deutlicher werden. Als einzige Muzungus in der Pampa sind wir natuerlich DIE Attraktion. Wenn wir auf den Markt gehen (der uebrigens nur einmal die woche ist und es schwer macht sonst irgendwie an Nahrungsmittel zu kommen) folgt uns eine riesige Traube von Menschen. Auch wenn wir sonst wohingehen, oder vorbeigehen; immer bekommt man eine extra grosse Portion Aufmerksamkeit, alleine ist man fast nie. Ausserdem ist hier das Vorurteil, dass alle Muzungus reich sind noch staerker verbreitet und so erlebt man immer wieder, dass sie einen um Geld, Klamotten ect anbetteln. Auch die Leute, die wir aufgenommen haben und auch die Kinder. Das ist echt nicht einfach, weil man sich immer schlecht fuehlt: einerseits enttaeuscht, dass sie doch nur das Geld wollen und anderereseits kann man sie auch verstehen/ diese Menschen sind wirklich arm, sie haben NICHTS. Sogar das Projekt mit den Mikrokrediten wird schwer, weil es kaum Leute gibt, die das Geld haben irgendjemand was abzukaufen… wir SIND reich. auch wenn man das in Europa nicht behaupten kann. Hier stimmt es. Und Freunde wird man hier keine finden, denke ich, oder nur schwer. Wohnen tun wir bei den Priestern, in einer schoenen Klosteranlage, die einem quch die Moeglichkeit eines Rueckzugsortes bietet. Wir Fruehstuecken auch mit ihnen und sie sind beide echt nett und zuvorkommend, man fuehlt sich schon aufgehoben. Allerdings stehend auch Leute die vom Teufel besessen sind oder aehnliches auf der Tagesordung, der Glaube hier hat sowieso eine starke macht.
Ich koennte noch laenger weiterschreiben, doch meine Zeit hier ist bald um.
Ich druecke euch, lasst es euch gut gehen und geniesst den Fruehling (hier faengt die Regenzeit an ihgitt.)
eure Kerstin
März 10, 2008 at 8:34 pm
hallo süße,
ich bin gut wieder angekommen. ich beneide dich so sehr, ich will wieder zu euch!! geht es dir noch gut? wann fährst du denn wieder zurück nach buja? oder wartest du ab bis die anderen weg sind? schade das wir uns nicht mehr gesehen haben ich drück dich ganz fest
vielleicht sehen wir uns ja noch in der heimat bevor du zurück nach deutschland kommst
dicker kuss
nadine
März 12, 2008 at 3:23 pm
Hallo liebe Kerstin,
na – da haben wir aber gestaunt, dass ein neuer Eintrag in deinem Blog steht. War vielleicht ein Zufall, das du an einen Pc und ins Internet konntest ?!.
Lena hat sich auch riesig über deine Email gefreut.
Vielen Dank für deinen interessanten Eintrag.
Du bist vielleicht wirklich am Ende der Welt – und wir am anderen Ende –
Wir haben ganz viel Achtung vor dem was du dort machst und erlebst und wir denken täglich an dich und wir vermissen dich und freuen uns sooooo sehr auf dich. Pass gut auf dich auf und pfeif auf die Regenzeit (Hier regnets auch) – einen dicken kuss von uns alle – Deine family
März 19, 2008 at 10:47 am
Hallo Kerstin,
ich war auch sehr überrascht, etwas von dir zu lesen. Seit du auf der Ernährungsstation bist, habe ich nicht so regelmäßig auf deine Seite gesehen. Wahnsinn, was du alles siehst und erlebst.
Hier geht der Regen im Moment in Schnee über und es wird noch einmal richtig kalt. Sicher hast du schon gehört, dass wir über Ostern in Hamburg sind. Flo haben wir seit Weihnachten auch nicht mehr gesehen. Bin mal gespannt, wie er sich im Französischkurs schlägt.
Ich wünsche dir weiterhin eine gute Zeit und werde nun wieder häufiger auf deine Seite gehen. Alles, alles Liebe und pass auf dich auf.
Sigrid