Hallo ihr Lieben

meine Zeit in Muramba ist nun um. Eine spannende und schwierige und tolle Zeit, die mich vor einige Herausforderungen gestellt hat. Ich glaube ich habe alles ganz gut hinbekommen, man waechst tatsaechlich mit seinen Aufgaben: das Projekt hat immer besser funktioniert, die Leute haben sich ein wenig an den muzungu gewoehnt und ich habe viel ueber die burundischen sitten und braeuche und das Land selbst gelernt. Wir haben jeden Montag Aufklaerungskurse und breiverteilungen gemacht. Das heisst, dass Jeanne d’arc und regine ueber Malaria, Sauberkeit, Aids, falsche Ernaehrung und aehnliches referiert und mit den Leuten diskutiert haben. Ausserdem haben wir jeden Monatg das gewicht der kinder die brei benoetigen kontrolliert und falls es sich verschlechtert hat mit den eltern ueber die ursachen geredet und ihnen unsere hilfe angeboten. Ausserdem fand montags, wie an jedem wochentag (normalerweise allerdings nur vormittags) eine medizinische versorgung statt. Montags waren immer besonders viele Leute da: an einem Montag haben wir 75 Leute versorgt! Ansonsten haben wir uns um die bei uns aufgenommenen Frauene mit ihren Kindern gekuemmert. Es ist traurig, wenn man erfaehrt, wie all diese probleme entstanden sind und bei einigen sehr armen familien wird auch drigend eine hilfe danach benoetigt, da die menschen sonst wenn sie zurueck nach hause gehen nur wieder in den alten reislauf zurueckkehren und alles wieder von vorne losgeht. Wenn es keine langfrisige betreuung fuer solche faelle gibt, macht eine ernaehrungsstation meiner meinung nach keinen sinn. Deshalb hatten wir uns ja das Projekt mit den Mikrokrediten ueberlegt, was jetzt aber aufgrund der steigenden Preise und den damit zusammenhaengenden finanziellen schwierigkeiten der fondation stamm erstmal auf eis gelegt. Ich hoffe aber sehr, dass wir bald eine loesung dafuer finden und auch diesen wirklich sehr armen leuten helfen koennen. Ich war bei allen potentiellen Kandidaten fuer die Mikrokredite zuhause und habe gesehen wie ihre haeuser gebaut sind und wie schlecht sie ausgestattet sind. ausserdem kenne ich die frauen natuerlich persoenlich und weiss von einigen wie es soweit kommen konnte. Leider sind sie auch oft selbst an ihren Problemen schuld und daher haben wir uns auch gegen einige frauen entschieden. Eine frau hat zB einen mann, der sie rausgeschmissen hat als sie hochschwanger war, land und fast alle haushaltsgegenstaende verkauft hat und eine andere frau geschwaengert hat. diese andere frau hat dann dort in dem haus nichts essbares vorgefunden und ich kann mir vorstellen (auch wenn sie das bei uns im Centre nie offen gezeigt hat) dass sie die kinder der anderen Frau nicht akzeptiert hat. So ist das haeufig in Burundi. Viele Frauen kommen zu uns und nach und nach erfaehrt man solch eine geschichte. Kaum eine Frau, die nicht die zweite Frau ihres Mannes waere. Und dieses Kind von dem ich gerade sprach war unser schlimmster Fall. Riesige Oedeme an Fuessen, haenden und bauch und total abgemagert an armen und beinen. keine kraft zu stehen, irgendetwas selbst zu machen oder auch nur zu sprechen. Es war ein schoenes Erlebnis zu sehen, wie es dem kind stueckchen fuer stueckchen besser ging. Wie es anfing zu sprechen, sich gegen die fliegen in seinen augen zu wehren begann, schliesslich sogar lachte und alles (wenn auch sehr langsam as). Es lernte auch wieder das laufen, wie ein alter Mann ging es mit vom langen sitzen (wohl fuer immer) gekruemmten ruecken. Langsam. erst nur einen schritt (dann fing es an zu weinen, weil schon allein das stehen in seinen geschwaechten beinchen schmerzte) aber mit der zeit schaffte es immer mehr und mitlerweile kann es sogar ein paar schritte ohne stockl laufen. In Znahali (den ihr vielleicht von ruths blog als danny kennt, der dort auf dem foto mit ihr zu sehen ist und den ich sehr sehr lieb gewonnen habe) hat er auch einen einigermassen gleichaltrigen freund gefunden, der alle mit seiner Lebensfreude ansteckt. Es dreht sich mit der magen um, wenn ich daran denke, dass dieser kleine mann bald wieder in sein zuhause zurueck kehren muss wo die situation mitlerweile folgende ist: der Mann hat sich mit seiner zweiten frau, die er ja geschwaengert hat, nicht gut verstanden und dadurch, dass sein sohn mit der ersten frau bei uns hospitalisiert ist, ist er der ersten frau wieder naeher gekommen. Diese, die er ja hochschwanger rausgeschmissen hat(!) ist jetzt wieder zu ihm zurueckgekehrt (der uebrigens den ruf als banditen hat) und jetzt lebt er mit zwei frauen in einem haus, die sich nicht leiden koennen und von der einen frau weiss ich obendrein noch, dass sie ne ganze menge andere gedanken im kopf hat als nur ihr kind. Sie hat ihm sogar ihre kette geschenkt, die wir zusammen gebastelt hatten. Wie kann man nur so daemlich sein zu so einem mann zurueckzukehren, der einen rausgeschmissen hat waehrend man hochschwanger war und der das eigene kind fast verrecken lies?

Ansonsten habe ich noch einige andere Kleinigkeiten gemacht, wie einen gemuesegarten agelegt, den wir auch bald nutzen konnte, projekte wie malen, fussball, mikado (o.ae.), ketten, moskitonetze befaestigt, zaeune aus aesten gebaut, brennholz im wald gesucht, beim essen kochen geholfen und ihnen auch mal den deutschen cappuccino oder tuetensuppen gezeigt, die meine mutter mir mal geschikt hatte, die fensterlaeden und tueren noch von aussen mit blumenranken und schmetterlingen bemalt und innen noch monde und sterne hinzugefuegt, seifnblasn, luftballons, einkaeufe auf dem woechentlichen sonntagsmarkt (wie auch der woechentliche kirchenbesuch), viel mit danni gekuschelt und gespielt und natuerlich auch viele ausfluege in die umgebung gemacht um was von land und leuten zu sehen. Da sind wir zB einmal 5 std (2,5 hin und 2,5 std zurueck) zu einer frau gelaufen, die bei uns aufgenommen war um ihr haus zu besuchen und zu sehen wie sie so lebt (auch fuer die mirkrokredite) man das war ein marsch ueber stock und stein und echt weit und mitten in der pampa. Echt bewundernswert, was fuer strecken hier die leute zu fuss zuruecklegen und dann auch noch mit den wunderlichsten sachen auf dem kopf!
Jetzt wird die Ernaehrungsstation wieder geschlossen, weil wir festgestellt haben, dass es keine schwer unterernaehrten kinder mehr gibt. wir waren auch bei den anderen ernaehrungsstationen in der naehe und diese haben die feststellung bestaetigt. Das ist toll fuer die leute. Zwar ist der hunger immer noch gross aber dank vieler aufpaepplungsprodukte verschiedener organisationen sind die faelle nur noch mittel schwer (wobei man natuerlich nie weiss, wie es ganz tief im landesinneren aussieht, viele kommen vielleicht auch nicht weil sie ihre felfer bestellen muessen oder aehnliches oder sich nicht viel davon versprechen oder sich ihrer lage nicht bewusst sind. als wir zB decken und moskitonetze verteilt hatten, kamen direkt mal 2 leute, die wir haetten aufnehmen koennen und das nachdem wir drei wochen nach solchen leuten gesucht haetten) ich hoffe dass die lage in burundi jetzt nicht wieder schlimmer wird, da der regen ausgeblieben ist. Die sonne hat die ganze (oder zumindest einen grossen teil) der Bohnenernte verbrannt und da sowieso im moment alle Preise ins unermeeeliche steigen wird dies, so glaube ich, noch ein immenses problem fuer das land und seine bewohner werden. Viele Menschen werden sterben, wenn es wirklich so drastisch wird, wie viele befuerchten. Im moment bin ich ja in tanzania und hier regnets jetzt und man sagte mir, dass es in Burundi auch regnet. Ich weiss nicht ob es schon zu spaet war, oder ob man noch was retten kann. Wir werden sehen. Aergerlich finde ich die einstelung der leute aber trotzdmem. Wie oft habe ich gehoert: oooh, wir werden alle sterben, aber die europaeischen hilfsorganisationen werden kommen und uns helfen… Aber so wird sich langfristig nichts aendern. Man kann nicht still sitzen bleiben und die haende aufhalten, damit jemand kommt und etwas reintut, man muss selber arbeiten, um etwas zu erreichen. Man muss sich bilden, hart arbeiten und auch mal was neues ausprobieren. Sonstv entwickelt sich NICHTS weiter. Auch europa war mal arm, jedes land hat klein angefangen, auch wenn sich die burundesen manchmal schwer vorstellen koennen.
Nunja, meine zeit war jetzt auch gekommen. Es war ene tole erfahrung und die absolut richtige entscheidung dieses projekt zu machen und so viel uebr die menschen, ihre denkweise und ihre kultur zu erfahren. Am Ende hatte ich aber auch genug davon, nach 3 monaten immernoch wie ein exotisches tier angestarrt und IMMER angebettelt zu werden. Ich habe gemerkt, dass ich schon eine richtige barriere und abwehrhaltung gegen manche leute aufgebaut habe (ist mir hier in Tanzania aufgefallen) und das sollte ja auch nicht sein. Die Ernaehrungsstation wird uebringens im Juni-Juli nach Cankuzo umziehen und dort das Projekt fortsetzen, weil es dort (aufgrund der vielen Fluechtlinge aus Tanzania) wohl noch grossen Bedarf gibt.
Ich werde jetzt noch 3 wochen hier in Tanzaniavebringen und wir werden hoffentlich noch besseres wetter bekommen als es im moment ist. Regen :/ Naja mal auf das beste hoffen und wenn Gott so wil und die Priester in Muramba fleissig fuer mich beten…wer weiss.
Wir werden sehen.
das wars fuers erste von mir, wenn euch irgendwas besonders interessiert koennt ihr mir ja nochmal einen hinweis geben, ich weiss nie so richtig was die leute in deutschland interessiert.
Macht euch ne schoene zeit,
eure Kerstin