Meine Zeit in Tanzania war sehr schön. Wir sind von Muyinga direkt losgefahren, über die Grenze und nach Tanzania rein. Unsere Reiseroute führte uns von Mwanza über Arusha nach Lushoto, Tanga, Zanzibar und Dar Es Salaam. Kurz ein paar Schlagwörter zu unserer Reise: Postkarten-Strände, Marktgetümmel, „touristen-Fänger“, weite Masaaiebenen und atemberaubende Aussichten, schlechtes englisch, viel Gewürze, Staub, schlechte Straßen, lange Busfahren, große Muscheln, Palmen, etwas weniger Armut, Regenwälder, Affen, eine große Schildkröte beim Schnorcheln, mehr „muzungus“, viele Stehtoiletten, Rastas, Höhlenekundungen, exotische Früchte, traditionelle Medizin, Chipsis with egg, Kriegsverbrecher Tribunal, viele Künstler,…
Ich finde dass Flo und ich eine echt wunderschöne Reise hatten und werde bei gelegenheit vielleicht auch noch mal ein paar Fotos online stellen. Außerdem hab ich dem Flo noch mein Projekt in Muramba gezeigt und die umgebung dort, sowie bei unserer Ankunft in Buja mein Leben hier.
Jetzt habe ich auch schon wieder einige Projekte angefangen. Ich bringe den Jungs im Straßenkinderheim zB gerade bei wie man Freundschaftsbänder knüpft und bin wirklich begeistert. Die sind wirklich total intelligent und geschickt und manche verstehen schon nach kurzen Zugucken wie sie knüpfen müssen, damit sie das gewünschte Muster erhalten. Wir sind jetzt schon bei Armband nr. 5 und es macht wirklich Spaß das mit den Jungs zu machen. Vielleicht ist später auch ein Verkauf dieser Armbänder in Deutschland vorgesehen. Das Geld davon würde dann wieder in die Projekte einfließen und das wäre so eine echt gute Sache. Aber jetzt erst mal ist das nur für die Jungs selbst und die haben wirklich Spaß dran. Wenn ich das mit den Frauen (und auch den Kindern) aus Muramba vergleiche ist der Unterschied echt riesig: die haben nämlich überhaupt nicht gerafft wie das geht- da merkt man echt den Bildungsunterschied und auch den Willen etwas zu lernen und es auch mehrmals zu versuchen. Ok, die Kinder waren jünger, aber die Frauen….
Des weiteren bin ich im Moment auch öfter in einem anderen Armutsviertel Bujumburas: Buterere. Dort hat Verena jetzt ein neues recht großes Haus gemietet wo viele Projekte vereint werden: es wird ein Kindergarten eröffnet, Mikrokredite vergeben, ein „Heim“ für einige kleine Kinder werden, ein kleines Krankenzimmer zur Behandlung einiger Kleinigkeiten, ein Gemeinschaftsgarten (oder auch Feld) und später sollen noch aufklärungs- sowie Alphabetisierungskurse stattfinden. Dabei ist das große Ziel dieses Projektes die örtliche Bevölkerung soweit mit einzubeziehen dass das Projekt irgendwann selbst weiter existieren kann. Es sind die Frauen aus Buterere die im Kindergarten mithelfen, den Acker bewirtschaften, evtl. die Kurse halten oder sich gegenseitig Sachen beibringen und auch für die Sauberkeit sorgen. Dabei ist ein weiteres Ziel (vor allem auch bei der sexuellen Aufklärung) die Männer mit einzubeziehen und etwas an dem, von diesem Geschlecht so häufig an den Tag gelegten, Verhalten zu ändern. Ich bin mal gespannt wie das alles klappen wird. Auf den ersten Blick wirkten zumindest die Frauen alle sehr motiviert und gewillt loszulegen. Es haben sich für den Kindergarten auch schon 90 Kinder eingeschrieben sodass wir ab dem 2 Juli mit diesem beginnen werden. Jeweils zwei Gruppen: eine vormittags, eine nachmittags. Ruth und ich haben auch schon ein schönes Bild mit Elefanten, Nilpferden und Giraffen auf dem ein Kind reitet an die Kindergartenwand gemalt. Mal sehen.
Ansonsten ergibt sich im Moment auch irgendwie immer was, sodass ich eigentlich ständig irgendwas zu tun habe, aber das gefällt mir ganz gut so.
So waren wir z.B. auf dem Tag des afrikanischen Kindes von Don Bosco und haben ort der Vorstellung zugeguckt, auf dem Fest des Tages der Musik, Basteln hier oben im Heim, bei Ruth bei den Mikrokrediten, beim Fußballspiel der Straßenjungs, bei Clotilde Zuhause das Baby gucken usw. irgendwas ist eigentlich immer los. Dabei darf natürlich auch mein lernen nicht zu kurz kommen. Ich muss nämlich um an die Uni zu gelangen einen Test schreiben und bin so dabei mich fleißig auf Physik, Mathematik, Chemie und Biologie vorzubereiten. Das ist nicht immer so leicht, aber immerhin eine Chance im Vergleich zu dem Auswahlverfahren vorher, das nur über NC lief. Zwei andere Unis bieten zB auch noch Vorstellungsgespräche an.
Ansonsten ist nächsten Sonntag endlich ein Besuch bei Ciza (dem Trommellehrer der Straßenjungs) angesagt. Der hat ja während meiner Abwesenheit mit seiner Frau ein Kind bekommen das sie Ciziana(? Oder so ähnlich muss noch mal nachfragen)-Kerstin genannt haben. Da hab ich mich vielleicht gefreut als ich das gehört habe! Bin ich schon mal gespannt.
Unseren Rückflug haben wir auch schon bestätigt: wir fliegen am 8.8.2008 um 15.15 (wenn das mal kein tolles Datum ist…) und so langsam wird mir in manchen Situationen die schwindende Zeit doch immer mehr bewusst und es macht mich immer ein bisschen traurig bald nicht mehr ein teil dieses wundervollen ganzen zu sein. Wie lieb ich doch alle und alles hier gewonnen habe.
Ansonsten verfolgen wir hier natürlich auch die Europa-Meisterschaft und ich sag euch: Deutschland wird Europameister! Die Burundesen fiebern natürlich auch alle mit. Ist immer lustig mit denen in einer „Kneipe“ zu sitzen und Fußball zu schauen; die gehen fast noch mehr ab als wir…
Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr genießt die langen, lauen Sommertage!
Bis bald
eure Kerstin
Juni 30, 2008 at 7:20
Hallo Kerstin,
schön wieder etwas von dir zu lesen. Dein Bericht klingt sehr positiv und nach guter Laune, trotz der Wehmut, weil du bald wieder abreisen wirst. Ich habe mit Flo schon die Bilder von eurem Urlaub gesehen. Die Bilder von Zansibar und dem Schnorcheln sind ja wie aus dem Reiseführer und er hat auch sehr begeistert von eurer Reise erzählt. Nun sind es noch ungefähr 6 Wochen und wir freuen uns, dich dann wieder zu sehen. Für die gespräche an den Unis drücken wir schon jetzt die Daumen, aber das wird schon klappen. Wir whoffen, es wird die Uni, die du am liebsten hättest. Nun genieß die letzte Zeit in Afrika, die Tage mit den Kindern und den Projekten, in die du auch deine Energie und Liebe gesteckt hast.
Bis bald und ganz liebe Grüße aus Aachen,
Sigrid